Schweingrippe, Aktienkurse und das Geschäft mit der Angst
Geschrieben am 29. April 2009 um 17.27 von Raimund Hirzer
Warnhinweis in eigener Sache: Mein Blogbeitrag ersetzt keinesfalls den Arztbesuch wenn man (und auch Frau) sich unwohl oder krank fühlt und soll auch keinesfalls die Gefahr einer Erkrankung verharmlosen. Details zur Schweineinfluenza sind hier nachzulesen.
Ich möchte jedoch darauf hinweisen dass die Nachfrage nach dem Arzneistoff Ozeltamivir durch die Angst vor einer Erkrankung an der Schweinegrippe enorm gestiegen ist. Dieser Arzneistoff findet sich unter anderem in dem Präparat Tamiflu. Dieses Präparat ist mir noch aus der Zeit der Vogelgrippe (im Jahr 2005) bekannt, wo sich die Apotheken und Ärzte mit riesigen Mengen eingedeckt haben.
Man muss auch wissen, dass bei Nichtverkauf diese Ware an den Großhandel zurückgegeben werden kann und dieser dann die "bittere Pille" schlucken muss. Rechtzeitig vor Ablauf und Vernichtung sucht wird nun wieder die Welt mit Angst und Sorgen vor der Schweineinfluenza beglückt. Die Medien wissen natürlich genau dass Unterhaltung besser ankommt als die nackten Fakten und präsentieren uns die Storys gehirngerecht. Hier muss sich aber jeder seine eigene Meinung bilden.
Damit ich die Kurve zur Finanzdienstleistung doch noch kratze, war es für mich nahe liegend den Aktienkurs der Roche Holding AG zu betrachten. Roche ist der Hersteller dieses Präparats und konnte am 27. April (erster Börsentag nach den Meldungen in den Medien) ein sattes Plus von bis zu zwanzig Prozent generieren. Gratulation an alle die hier satte Gewinne einstreifen konnten.
Die aktuellen Ereignisse sind wieder ein Indiz dafür, dass die Geschäfte mit der Angst noch florieren und für mich stellt sich die Frage mit welchen Storys werden wir künftig beglückt. Was meint ihr?
Gott sei Dank, gibt es auch kritische und einigermaßen objektive Berichterstattungen. Hier ein Beispiel, dass ich in der Kleinen Zeitung gefunden habe:
Erste Zweifel an der Gefährlichkeit der Schweinegrippe:
Angesichts nach unten korrigierter Todesfallzahlen aus Mexiko stellten Experten das Ausmaß der Bedrohung durch das Virus infrage. Zwischen Gelassenheit und Panik: Wie gefährlich ist das Virus? Foto: Reuters "Die Diagnose des A/H1N1-Virus ist schwierig und unter den mexikanischen Gesundheitsbedingungen nicht möglich", sagte der Mikrobiologe Alexander Kekule am Mittwoch "Spiegel Online" zufolge. Die nicht auf die Schweinegrippe zurückzuführenden Todesfälle bezeichnete der Professor der Universität Halle als "die ganz normalen Todesraten in einem Schwellenland". Nicht jeder, der an einer Lungenerkrankung sterbe, sei ein Epidemieopfer. Umgekehrt. Sigrun Smola, Direktorin des Instituts für Virologie in Homburg, sagte dem Nachrichtenportal zufolge, im Vergleich zum Vogelgrippe-Virus, "das eine hohe Virulenz, aber eine geringe Übertragungsrate von Mensch zu Mensch besaß, scheint es bei diesem neuen Virus eher umgekehrt zu sein".
"Weniger Opfer als bei normaler Influenza"
Mikrobiologe Kekulé, der auch Mitglied in der Schutzkommission des Bundesinnenministeriums ist und die Behörde bei Katastrophenfällen berät, mahnt zur Verhältnismäßigkeit. Von 2.500 Verdachtsfällen sei bisher die Rede. Die Dunkelziffer noch nicht erkannter Infektionen werde üblicherweise auf rund das Zehnfache geschätzt. Gehe man also von etwa 25.000 Ansteckungen und sieben Todesfällen aus, komme ein Toter auf 3.000 Infizierte. Das sei weniger als bei einer normalen Influenza. "Das neue Virus wäre damit also nicht sehr aggressiv", erläuterte der Professor. Keinen Grund zur Panik sehen auch Fachleute des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin: "Die Schweinegrippe ist deswegen gefährlich, weil sie von Mensch zu Mensch übertragen wird, sie hat teilweise die gleichen 'Baustoffe' wie die sogenannte saisonale Grippe. Aber die bekannten Medikamente wirken, und ein Impfstoff kann innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate entwickelt werden", sagte Gründungsdirektor Stefan Kaufmann. "Bei der Vogelgrippe hingegen fehlt noch immer der Infektionsweg von Mensch zu Mensch, trotzdem ist sie für Infizierte weitaus gefährlicher", fügte er hinzu.
Kategorie: Persönliches1 Kommentar Kommentar schreiben
Artikel-Zusatz
Ein Kommentar bei "Schweingrippe, Aktienkurse und das Geschäft mit der Angst"
Helromez
17. April 2010, 18:29
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